PÄRNU/ Estland: 9. CLAUDIA-TAEV-GESANGSWETTBEWERB

Pärnu / Estland : 9. Klaudia-Taev-Gesangswettbewerb – 22. – 27. Mai 2015
Sune Manninen. Der Neue Merker

Zum ersten Mal seit Bestehen des 1996 gegründeten Klaudia-Taev-Gesangswettbewerbs gab es neben der bisher üblichen Bewerbung durch Audio- oder Video-Material Vorausscheidungen : in St. Petersburg, Moskau, Kaunas, Berlin, Kopenhagen und Tallinn. Zu der den eigentlichen Konkurs einleitenden 2. Runde wurden schließlich 36 Sänger zugelassen, vornehmlich aus den Nachbarstaaten Estlands, aber auch sogar aus den USA und Mexiko. Die jungen Sänger hatten sich einer 11köpfigen Jury zu stellen, neben der Jury-Vorsitzenden Karan Armstrong und dem russischen Bariton Sergei Leiferkus waren es Intendanten (Komische Oper Berlin, Erfurt), Disponenten (Malmö, Nürnberg), Agenten und Dirigenten unter der Künstlerischen Leitung des estnischen Dirigenten ERKI PEHK, der auch das Finalkonzert leitete.


Die Anforderungen sollten die Vielseitigkeit der Bewerber zeigen, aber auch die Eignung für eine szenische Produktion, in der die Sieger zwei Jahre später in Aufführungen in Tartu, Pärnu und Tallinn auftreten sollten. Zugleich mussten die jungen Künstler ihre Stimmen unterschiedlichen akustischen Bedingungen anzupassen in der Lage sein : im Endla-Theater mit seiner eigentlich für das Schauspiel gedachten Bühne, in einer Schule, in der in der 3. Runde jeder Bewerber u.a. Schuberts Ave Maria zu singen hatte (dafür gab es einen Spezialpreis) sowie in Pärnus Konzerthalle, in der das vom Fernsehen direkt ausgestrahlte Finale ausgetragen wurde.

In das von drei Sopranen, zwei Tenören und einem Bariton bestrittene Finale hatten es einige Sänger nicht geschafft, deren Namen jedoch aus verschiedenen Gründen nicht vergessen werden sollten. Da war es die kanadische Sopranistin LAUREN MARGISON, die erst 23jährige Tochter des Tenors Richard Margison, die mit jungem, frischem Material auf sich aufmerksam machte, die Mezzosopranistin DARA SAVINOVA, zur Zeit im Opernstudio der Züricher Oper, aber schon in einer kleinen Rolle bei den Salzburger Festspielen auftretend, die als beste estnische Sängerin ausgezeichnet wurde, sowie der armenische Bass HAYK TIGRANYAN, der mit seinem resonanzreichen, für 10 Bassisten reichenden Material auffiel, aber mehr darauf bedacht war, mit Volumen statt mit Stimmkultur zu beeindrucken.

Die Gewinner dieses Wettbewerbs verfügten über vielseitige Erfahrungen, sei es, dass sie andere Konkurse gewonnen hatten bzw. sich bereits im Engagement an Opernhäusern befinden. Dem 31jährigen südkoreanischen Tenor SUNGHYUN KIM wurde nicht nur der 1., sondern auch der Publikumspreis zugesprochen. Er, der in den vergangenen Jahren bei Wettbewerben in Deutschland und Italien Preise gesammelt hatte und zur Zeit noch an der Musikhochschule in Hamburg studiert, begeisterte die Zuhörer durch sein schmelzreiches Material und die Strahlkraft seiner Höhen – diesen Namen sollte man sich merken! Die Zweitplazierte, die polnische Sopranistin EWA TRACZ, war ebenfalls Preisträgerin bei diversen Wettbewerben und steht in ihrer Heimat in ersten Partien wie Figaro-Contessa oder Donna Anna auf den Bühnen der Opernhäuser von Bytom und Breslau. Diese Professionalität kam ihr hier zugute, und sie ließ neben einem individuellen Timbre eine gut geführte und durchgebildete Stimme erkennen. Der dritte Preis wurde geteilt und dem russischen Tenor YURI ROSTOTSKY und dem lettischen Bariton RIHARDS MILLERS zugesprochen. Trotz seines hellen, gewöhnungsbedüftigen Timbres nahm Rostotsky durch die hohe Kultur seines Mozarts-Gesangs sehr für sich ein, während der sich schon im Engagement an der lettischen Nationaloper in Riga befindende Millers bei aller Gesangskultur (er gewann den Sonderpreis für die beste Wiedergabe von Schuberts Ave Maria) Mühe hatte, sich gegenüber dickerem Orchesterklang durchzusetzen. Ohne Preis blieben die ukrainische Sopranistin ELENA BRAZHNYK, die mit dem jungen, frischen Klang ihrer Stimme genau das richtige Material für solche Rollen wie Marfa (Zarenbraut) oder Amina (Sonnambula) hatte, sowie die Norwegerin MARGRETHE FREDHEIM, von der kommenden Spielzeit an nach Erfurt engagiert, die an der Homogenität ihres Repertoires (von Fiordiligi über Liú, Ellen in Peter Grimes , Frau Fluth, Donna Anna zu Elena in den Vespri Siciliani) arbeiten sollte, das sich auch in einer uneinheitlichen Tonproduktion widerspiegelte.

Am spielfreien Tag vor dem Finale hatte man Gelegenheit, zwei äußerst interessante Veranstaltungen zu besuchen : am Nachmittag bot das niederländische Jury-Mitglied HANS NIEWENHUIS, mit seiner launigen Art der geborene Entertainer unter dem Titel „Audition – The Magic Five Minutes“ Hinweise aus der Praxis für die Praxis – ein unbedingtes Muss für jeden angehenden Sänger. Und am Abend demonstrierte der russische Bariton SERGEI LEIFERKUS in einem hauptäschlich Sergei Rachmaninoff gewidmeten Konzert im intimen Rahmen der Villa Ammende ein Lehrbeispiel, wie man sich die Stimme bis ins (für Sänger) hohe Alter erhalten kann; seine 69 Jahre hört man dem Künstler nicht an. Auch dieses Konzert wäre eine Pflichtveranstaltung für alle Teilnehmer gewesen, die bereits vor dem Beginn des Wettbewerbs Gelegenheit gehabt hatten, in Tallinn an Meisterklassen der Jury-Vorsitzenden Karan Armstrong teilzunehmen.

Fazit : In der idyllischen Atmosphäre der estnischen Sommer-Metropole Pärnu ist ein ernst zu nehmender Wettbewerb herangewachsen, der sich neben anderen Konkursen durchaus behaupten kann. Wenn man mit jungen Künstlern spricht, ist das Preisgeld (hier 4000 bis 2400 €) zweitrangig. Wichtiger ist die Möglichkeit, „Endabnehmer“ wie Intendanten, Disponenten oder Agenten für sich zu interessieren bzw. sich zwei Jahre später in einer szenischen Produktion einer Oper zu präsentieren (dieses Jahr war es Aida mit der Siegerin von vor 2 Jahren, der Litauerin JOMANTE ŠLEŽAITE), zumal wenn man die Karrieren früherer Teilnehmer wie z.B. Veronika Dzhioeva, Oksana Volkova oder Anatoli Sivko verfolgt.

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